Ist das Modell Nordic Championship auch im deutschsprachigen Raum denkbar?

Es ist eine Mischung aus WM-Vorbereitung und Schaulaufen. Die Rede ist von den Nordic Championships, ein alljährlich stattfindendes Turnier mit den Nationalmannschaften der nordischen Länder. Hinter dem zweitägigen Turnier mit einem Einzelwettbewerb und einem Teamwettbewerb, analog der Weltmeisterschaft steht die Union der fünf nordischen Verbände, namentlich die Nordic Kennel Union. Die fünf Mitgliedsländer sind Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden. Aber wäre das Erfolgsmodell der Nordic Championships auch etwas für die Schweiz oder doch nur ein weiterer unnötiger Programmpunkt im sonst schon vollen Turnierkalender?

Die Entstehungsgeschichte der Nordic Championship reicht weit zurück in die Mitte der 50er-Jahre, als die Nordic Kennel Union in Absprache mit der FCI gegründet wurde. Damals wie auch heute verfolgt die Union das Ziel, die Interessen der nordischen Länder als Einheit gegen aussen hin, zu vertreten und gemeinsame Regularien aufzustellen und durchzusetzen. Bei letztgenanntem Punkt hat die Union aber bei den experimentierfreudigen Ländern Schweden und Finnland einen schweren Stand. Das erste gemeinsame Agility Turnier fand 1994 im Rahmen der Nordic Winner statt, einer bis dahin reinen Ausstellungsveranstaltung. Agility sozusagen als kleiner Nebenschauplatz. Ein Nebenschauplatz der sich mit den Jahren immer schneller weiterentwickelte und professionelle Strukturen annahm. Nach und nach wurden Stimmen laut, welche forderten die Nordic Championship als die perfekte Möglichkeit der Vorbereitung für die Weltmeisterschaft zu nutzen. Die Nordic Winner Veranstaltungen fanden allerdings bisweilen immer im November statt, also einige Monate nach der Agility Weltmeisterschaft. Dies veranlasste die Union 2014 das Regelwerk zu liberalisieren und die Veranstaltungen zu trennen, vom ohnehin schon riesigen Graben zwischen Ausstellern und Agility-Sportler. Das war die Sternstunde der Nordic Championship. Seit dem messen sich die Nationalteams aus den vier Ländern Dänemark, Norwegen, Finnland und Schweden jeweils Anfangs August in abwechselnd einem der vier Länder.

Und wie sieht die WM-Vorbereitung hierzulande aus?  Neben bisher drei Pflichttrainings gibt es zusätzlich noch ein Pflichtturnier welches die Schweizer Agility Nationalmannschaft gemeinsam bestreitet. Die letzten Jahre wurde dieses in Lengnau durchgeführt, wo der Veranstalter die Kosten jeweils voll umfänglich übernommen hatte. Doch im Endeffekt war dies nicht mehr als ein mässig besuchter normaler Wettkampf. Nicht zuletzt darum ist das Vorbereitungsprogramm  jedes Jahr wieder ein Diskussionspunkt. Warum also nicht einen Trainingstag und das Pflichtturnier sausen lassen und stattdessen das Erfolgsmodell aus dem Norden kopieren? Mit Deutschland, Österreich aus der direkten Nachbarschaft und dem teilweise deutschsprachigen Luxemburg hätte man auch drei starke Mannschaften im Boot. Die Idee bedingt natürlich, dass alle Landesverbände an einem Strick ziehen. Wie die Veranstaltung schlussendlich aussehen würde und insbesondere finanziert werden sollte, darüber kann man im Detail immer noch entscheiden. Fakt wäre aber, dass sich wohl kaum eine bessere und aussagekräftigere Möglichkeit ergibt zu einer Standortbestimmung vor der WM. Mit Konkurrenten, auf welche man auch später an der Weltmeisterschaft treffen wird. Und für den Mannschaftswettbewerb könnten sich die Teams an fast realen Bedingungen erproben. Denn wohl in keiner anderen Disziplin als in der Mannschaft, ist der  Druck so hoch.

Man könnte die Liste noch um etliche positive Punkte und Aspekte ergänzen, darf dabei aber natürlich auch den grossen Zeitfaktor nicht aus den Augen lassen. Nicht jeder kann und möchte noch ein zusätzliches Wochenende mit Anreise und Abreise auf sich nehmen. Wobei hier natürlich erwähnt werden sollte, dass man sich als Mitglied der Nationalmannschaft den Zeitaufwand bewusst sein muss. Auch dürfte es aus finanzieller Sicht schwer sein die Veranstaltung kostendeckend durchzuführen. Seitens Veranstalter wie aber auch für die Nationalmannschaften aus der Schweiz, Österreich, Deutschland und Luxemburg. Wobei eine Veranstaltung dieser Art definitiv auch Potenzial aufweist. Immerhin treffen viele der besten Läufer und Läuferinnen auf zwei, und auf vier Beinen aufeinander. Wer weiss, vielleicht stösst diese Idee tatsächlich auch in den deutschsprachigen Ländern auf Befürworter. Ganz nach dem skandinavisch-finnischen Vorbild im hohen Norden. Diese messen sich übrigens wieder vom 11. bis zum 12. August in Finnland gegeneinander. Oder ist es da doch eher ein miteinander?

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